ÖPNV-Gutachten des Verband Deutscher Verkehrsunternehmen
Der Hamburger Nahverkehr gehört bundesweit zu den besten in Sachen Angebot und Qualität, mit einer durchschnittlichen Note von 1,8 liegt Hamburg auf Platz 2 aller Bundesländer.
Zu diesem Ergebnis kommt das ÖPNV-Gutachten des VDV. Doch dieser Spitzenplatz sei kein Selbstläufer. Das neue Leistungskostengutachten mache deutlich, wie sich Angebot, Nachfrage und Finanzierung bis 2040 entwickeln werden und welche Chancen eine vorausschauende Verkehrspolitik für Hamburg biete.
Das Gutachten berücksichtigt die beiden Szenarien »Modernisierung 2040« und »Deutschlandangebot 2040«.
Bei der Modernisierung würde das bestehende Angebot gesichert, die Infrastruktur modernisiert und die Antriebswende umgesetzt.
Beim Deutschlandangebot kämen eine Angebotsausweitung, dichtere Takte und eine bessere Erreichbarkeit zur Umsetzung.
Beide Wege führen laut VDV nur dann zum Erfolg, wenn die Finanzierung mitwachse. Schon heute würden Hamburgs Verkehrsunternehmen steigende Kosten für Personal, Energie, Fahrzeuge und Digitalisierung stemmen, bei sinkenden Fahrgelderlösen durch das Deutschlandticket.
Merle Schmidt-Brunn, Vorständin der Hamburger Hochbahn, erklärt: »Hamburg steht beim ÖPNV heute sehr gut da – das ist Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen. Aber wenn wir diese Qualität halten und weiterentwickeln wollen, brauchen wir Planungssicherheit. Die Zahlen liegen jetzt durch das VDV-Gutachten auf dem Tisch.«
Hamburg biete seinen Einwohnern im bundesweiten Vergleich schon heute eine herausragende ÖPNV-Anbindung. Ein Großteil der Bevölkerung profitier bereits von einer sehr guten Erschließung mit dem ÖPNV. Durch gezielte Investitionen in den kommenden Jahren bis 2040 lasse sich dieser Wert sogar noch deutlich verbessern.
In beiden Szenarien würden dann entsprechend sowohl das ÖPNV-Angebot als auch die Nachfrage ansteigen:
Szenario »Modernisierung 2040«
Erhalt und Ausbau des bestehenden Schienennetzes (z. B. U 5)
+ 5 Prozent mehr Angebot, + 13 Prozent mehr Nachfrage
Finanzierungsbedarf: + 69 Millionen Euro jährlich von heute 0,93 Milliarden Euro auf 2,02 Milliarden Euro im Jahr 2040
Stärkster Ausbau bei U-Bahn, S-Bahn und AKN
Szenario »Deutschlandangebot 2040«
+ 54 Prozent mehr Angebot, + 21 Prozent mehr Nachfrage
Die ÖPNV-Güteklasse steigt von 1,8 auf die Note 1,4
Für ein Drittel der Bevölkerung verbessere sich in diesem Szenario die Erschließung um eine Stufe, insbesondere in den Stadtrandgebieten
Finanzierungsbedarf: + 168 Millionen Euro jährlich auf 3,62 Millliarden Euro in 2040
Lorenz Kasch, Geschäftsführer der vhh.mobility: »Ein verlässlicher Nahverkehr ist Teil der urbanen Daseinsvorsorge, auch außerhalb von verkehrlich gut erschlossenen Innenstädten. Die Ergebnisse des Gutachtens zeigen: Damit wir auch in den städtischen Randgebieten und darüber hinaus weiter wachsen können, müssen Angebot und Finanzierung Schritt halten.«
Raimund Brodehl, Geschäftsführer des Hamburger Verkehrsverbunds (hvv): »In einem Stadtstaat wie Hamburg ist es elementar, ÖPNV über Ländergrenzen hinweg zu denken. Gemeinsam mit Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen engagieren wir uns deshalb für einen attraktiven, verlässlichen Nahverkehr in der gesamten Metropolregion. Wenn wir auf eine solide Finanzierung bauen und gleichzeitig Synergien konsequent nutzen, wird dieses Ziel erreicht.«
Alexander Möller, Geschäftsführer ÖPNV beim VDV: »Hamburg zeigt, wie moderner ÖPNV funktionieren kann. Wenn es eine gemeinsame Anstrengung der Unternehmen, des Verbundes und der Politik gibt. Mit Sorge sehen wir den Erhalt dieses starken ÖPNV. Denn allein der Erhalt des Status Quo kostet nur inflationsbedingt jährlich 22 Millionen Euro jährlich mehr. Wir zeigen mit dem Gutachten diese und andere Fakten, mit denen die Hamburger Politik nun Prioritäten setzen muss. Wie gut soll das Angebot des ÖPNV bis 2040 sein und wo soll wieviel Geld investiert werden?«