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Wirtschaftsnachrichten für Personenverkehr
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Nordrhein-Westfalen bietet als einwohnerreichstes Bundesland auch das größte ÖPNV-Angebot in Deutschland. ( Foto: Christoph Seelbach / Kölner Verkehrs-Betriebe AG )
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VDV-Gutachten für den ÖPNV in Nordrhein-Westfalen
»Eine Richtungsentscheidung steht bevor«
Wie gewohnt hat der VDV in seinem leistungsgutachten für Nordrhein-Westfalen zwei Szenarien untersucht, einem würden die Bedarfe im Busverkehr besonders deutlich wachsen.
Nordrhein-Westfalen stehe beim ÖPNV vor einer Richtungsentscheidung, so der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in seinem Leistungskostengutachten zur Fortentwicklung des Nahverkehrs im bevölkerungsreichsten Bundesland. Die Frage sei aktuell: Reicht Finanzierung künftig maximal noch für ein »Weiter so« – oder nutze das Land die Chance, Angebot und Qualität spürbar zu verbessern? 

NRW bietet als einwohnerreichstes Bundesland auch das größte ÖPNV-Angebot in Deutschland: 2024 wurden hier rund 735 Millionen Nutzfahrzeug- bzw. Nutzzugkilometer erbracht, die Nachfrage lag bei 24,7 Milliarden Personenkilometern – einem Fünftel der bundesweiten Nachfrage. Die Kostendeckung durch Fahrgelderlöse und sonstige Erträge liegt mit knapp 35 Prozent etwas über dem Bundesdurchschnitt von 33 Prozent. Zugleich verbleibt aber auch ein öffentlicher Finanzierungsbedarf von 4,48 Milliarden Euro pro Jahr.

»Nordrhein-Westfalen ist ÖPNV-Land – mit dichten Netzen in den Städten und vielen Busverbindungen in den ländlichen Räumen«, sagte Ulrich Jaeger, Vorsitzender der VDV-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen. Das Gutachten mache deutlich: »Wenn wir dieses Rückgrat der Mobilität erhalten und ausbauen wollen, reicht ein ‚Weiter so‘ nicht. Wir brauchen klare Zusagen von Land und Bund, dass der ÖPNV als zentrale Infrastruktur ernst genommen und langfristig finanziert wird.«

Im Rahmen des Gutachtens hat der VDV wie gewohnt zwei Szenarien für die ÖPNV-Entwicklung untersuchen lassen: »Modernisierung 2040« und »Deutschlandangebot bis 2040«. Im ersten Szenario »Modernisierung 2040« bleibt das Verkehrsangebot insgesamt weitgehend stabil (+ 1 Prozent). Gleichzeitig sinkt die Nachfrage leicht (– 1 Prozent), vor allem aufgrund der prognostizierten demografischen Entwicklung – weniger Einwohner, insbesondere im erwerbsfähigen Alter, in ländlichen geprägten Kreisen und im Ruhrgebiet.

Trotzdem steigt der Finanzierungsbedarf von 4,48 Milliarden Euro (2024) auf 8,47 Milliarden Euro (2040), das entspricht einem Plus von rund 89 Prozent und einem jährlichen Mittelaufwuchs von etwa 250 Millionen Euro. Davon sind bereits rund 106 Millionen Euro pro Jahr allein auf die allgemeine Inflation zurückzuführen. Besonders stark wächst der Finanzierungsbedarf für die Stadtbahnsysteme (+ 146 Prozent) aufgrund des umfangreichen Grunderneuerungsbedarfs und punktueller Netzausbauten. Auch die Sparten Bus (+ 86 Prozent) und SPNV (+ 70 Prozent) benötigen deutlich mehr Mittel.

Das Szenario »Deutschlandangebot 2040« geht einige Schritte weiter als das Szenario »Modernisierung 2040« und setzt auf einen flächendeckenden Ausbau des Angebots in allen Regionen. Die Sitzplatzkapazität steigt um 79 Prozent, die ÖPNV-Nachfrage steigt bis 2040 um mindestens 26 Prozent, die durchschnittliche Angebotsgüte verbessert sich von der heutigen Schulnote 3,5 auf die Schulnote 2,1 und für mehr als ein Drittel der Menschen in NRW verbessern sich Erschließung und Angebot um zwei Güteklassen, für knapp die Hälfte um eine Güteklasse – und zwar flächendeckend in allen Landkreisen

Finanziell bedeutet dies laut VDV-Gutachten, dass der Finanzierungsbedarf auf 15,67 Milliarden Euro pro Jahr (2040) steigt – also ein Plus von 11,19 Milliarden Euro gegenüber 2024. Notwendig ist daher ein jährlicher Mittelzuwachs von rund 700 Millionen Euro (+ 8,2 Prozent p. a.) gegenüber der reinen Modernisierung erfordert das Deutschlandangebot 2040 zusätzliche 450 Millionen Euro pro Jahr. Besonders stark wachsen die Bedarfe im Busverkehr (+ 340 Prozent), weil mit dem Deutschlandangebot 2040 landesweit ein flächendeckendes Grundangebot umgesetzt und gesichert wird – gerade in den Regionen, die heute noch zu wenig erschlossen sind.

»Das Deutschlandangebot 2040 zeigt, welches Potenzial in Nordrhein-Westfalens ÖPNV steckt: bessere Takte, mehr Kapazität, verlässliche Anbindungen – von der Großstadt bis in den ländlichen Raum«, sagte Alexander Möller, Geschäftsführer ÖPNV beim VDV. »Dafür müssen die Finanzströme neu geordnet werden. Das Gutachten liefert die fachliche Grundlage, jetzt sind politische Entscheidungen gefragt.«
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Von: Thomas Burgert
Veröffentlicht am: 20.02.2026
Kategorien: Verbände
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